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Eine Reise nach Tansania im Sommer 2008 - ein Brief von Gabriele Herbst
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Liebe Freunde (ndugu wapendwa),
Ich bin zurück aus einem Land, das ich inzwischen sehr lieb gewonnen habe. Bin zurück aus Tansania, das ich nun schon zum sechsten Mal bereist habe. Diesmal zusammen mit vier weiteren Mitreisenden: Einer Schuldirektorin, einem Polizisten, einer Schneiderin und einer Geschäftsfrau. Anja, die Direktorin und ich hatten viel zu tun mit unseren Projekten EDUCATION IS THE KEY OF LIFE.
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Wir haben für unsere Projekte (Schulprojekt, Bau eines Kindergartens, Unterstützung von alten Pfarrern im Ruhestand, die mit 7 Euro monatlich "leben" müssen, Fußbälle im Jahr der EM, Frauennähprojekt und Kuhprojekt) rund 7000 Euro nach Njombe gebracht und damit sehr, sehr viel bewirken können. Das Richtfest des neuen Kindergartens für Melinze haben wir mit gefeiert und uns über die "Ehrentafel" gefreut, die dort für Anja und mich als Initiatorinnen angebracht worden ist. Wir haben Schulgelder für das zweite Schulhalbjahr für 80 SchülerInnen ausgezahlt, wir haben 8 chinesische Nähmaschinen erworben und mit 20 Frauen einen Nähworkshop veranstaltet, der von Annett, der Schneiderin kompetent geleitet wurde.
Ich habe mich mit ca. 20 alten Männern getroffen, die mit ihren 7 Euro Pension im Monat "nicht leben und nicht sterben" können - und habe mit ihnen ein Festessen veranstaltet und ihnen pro Person eine Geldspende überbringen können. Ich war auf den Dörfern bei den von uns gespendeten Kühen, von denen zwei nun schon ein Kälbchen haben. Ich habe 2 mal vor insgesamt ca. 600 Menschen gepredigt und mit vielen Menschen in T. gesprochen, von denen sehr viele immer noch (zumindest im Süden) mit 1 oder 2 Euro pro Tag auskommen müssen.
Ich war erneut beeindruckt vom Lebenswillen der Menschen, von ihrem Witz, ihrem Glauben, ihrer Tapferkeit, ihrer großen Gastfreundschaft, ihrem stundenlangen Kochen für Freunde, ihren wunderbaren mehrstimmigen Gesängen, den herrlichen bunten Stoffen… Ich war auch betrübt und oft mehr als das über unsägliche Armut auf den Dörfern (ohne Strom und ohne Wasser), über Lethargie, die Armut mit sich bringt, über krank aussehende Menschen mit kahlen Stellen auf den Köpfen und schlechten Zähnen, über zunehmende Korruption und Kriminalität und fehlende Zukunftsperspektiven für das Land, das immer noch zu etwa 80% agrarisch geprägt ist. Dünger ist zu teuer, Kleinkredite für Bauern fehlen, die Lebensmittelpreise weltweit machen den Verkauf von einheimischen Produkten (Tee, Kaffee, Bananen…) schwer.
Auch die Kirchen im Süden haben sehr große Probleme mit der Finanzierung ihrer Mitarbeiter. Evangelisten, Pfarrer, Mitarbeiter im Konsistorium, Bischof und Stellvertreter verdienen zwischen 20 Euro und 90 Euro im Monat. Damit kann man nur existieren, wenn man noch (wie unsere Freunde Maxon und Jesaja) Hühner hält und Landwirtschaft betreibt. Aber wenn der Tag mehrere und so unterschiedliche Arbeit erfordert: Wann bleibt Zeit zum Lesen, Forschen, zur Pflege der Familie, zur Ästhetik… ? Manche der kirchlichen Mitarbeiter wirkten auf mich ausgebrannt. Auch wird es unter diesen Bedingungen mit dem theologischen Nachwuchs schwieriger. ![]()
Dennoch gab es viele Zeichen von Hoffnung. Unsere Schüler wirken bildungsbeflissener als früher, sie bedankten sich für die Fördergelder mit einem tollen Nachmittag, in dem sie englische Lieder sangen und eine nette englische Dankesrede hielten. Das Selbstbewusstsein der jungen Tansanianer ist gewachsen.
Der Staat hat das "Müllproblem" in den Städten ansatzweise erkannt (Plastebeutel dürfen beim Einkauf nur noch seltener abgegeben werden), auch das Thema Aids wird nicht mehr so stark tabuisiert, wie das in zurückliegenden Jahren der Fall war.
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Europäer werden kritischer betrachtet als früher (wo man uns vor allem als Geld-ins-Land-Bringer feierte), dafür aber um so freundlicher aufgenommen, wenn man spürt, dass man sich gegenseitig auf Augenhöhe begegnen kann… Es braucht lange, bevor sich Afrikaner mit dem, was sie wirklich beschäftigt, herauswagen. Aber wenn man ihnen genug Zeit einräumt, tun sie das. Und so konnte ich sehr viel vom anderen Teil der Welt erfahren.
Ich hatte wenig Privatzeit in Tansania. Es war viel kälter als in Deutschland. Mein kleiner Kocher, den ich aus MD mitgenommen hatte, machte mir morgens im Zimmer mit ca. 12 Grad Raumtemperatur einen warmen Tee, der mir luxuriös erschien. Aber es waren intensive, sinnvolle, wunderbare Tage in diesem ostafrikanischen Land, das dringend nötig noch finanzielle Unterstützung braucht, um irgendwann einmal darauf verzichten zu können.
Für die letzten vier Tage unserer Reise flogen wir nach Moshi, um den Kilimanjaro zu sehen und einmal den Norden Tansanias kennenzulernen. Leider konnte man den großen Berg mehr ahnen als sehen. Aber das fand ich auch irgendwie toll, weil es mir die Souveränität der Natur deutlich machte. Sie ist nicht für Euro zu erwerben. Am Kilimanjaro muss man warten, oder eben wieder zurückfliegen. Er lässt sich weder kaufen noch zwingen.
Alles Liebe und den SpenderInnen unter Ihnen und Euch DANKE (ASANTE!!!).
Die Gelder werden ganz verantwortlich verwaltet. Ich konnte es sehen!
Eure Gabi (Herbst)