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Besuch der Partnergemeinde in Njombe im Jahre 2003 - ein Reisebericht
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- Hinflug von Berlin Tegel über Zürich und Nairobi nach Daressalam
- nach 2 Tagen Aufenthalt in Daressalam Weiterfahrt nach Njombe
- Rückreise nach 8 Tagen in Njombe mit 3 Tagen Zwischenstopp in Iringa und Darassalam
- Rückflug von Darasalam nach Berlin über Nairobi und Zürich
Besuch in der Partnergemeinde in Njombe (Evang. Luther. Church)
Am Flughafen in Daressalem begrüßte uns eine kleine Delegation aus Njombe: der Pfarrer der Evang. Luth. Kirche Maxen M'ngo'ngo, unser neuer Partner im Schulprojekt und Nuru Kahwili eine alte Vertraute aus der Gemeinde in Njombe, die schon einmal zu Gast in Magdeburg weilte.
07.08., Donnerstag:
In Njombe gab es einen überwältigenden Empfang der singenden und tanzenden Gemeinde, die uns einen kleinen Hügel hinauf bis in die Kirche hinein halb schob, tanzte, trug und mit Blumen beschenkte. Wir wurden in der Familie des Pfarrers begrüßt und eingeführt, besprachen unser Besuchsprogramm für die nächsten Tage und belegten unser Quartier im Hotel Milimani gleich neben der Kirche. Es war für unseren Aufenthalt ein intensives Programm zusammengestrickt worden, so dass wir manchen Termin nur mit stundenlanger Verspätung erreichten (das ist sogar für afrikanische Gelassenheit zu viel). Besuche in verschiedenen Schulen, Kindergarten, Treffen mit Gemeindemitarbeitern, Besuch der dörflichen Außenstellen der Gemeinde, Frauen- und Projektgruppen, vor allem aber Besuche in Familien (11), in denen unsere Patenkinder leben, oder die schon lange mit dem Projekt verbunden sind. In den Familien wurden wir regelmäßig zum Lunch, Teatime und Dinner bewirtet. Das erlebten wir immer wieder mit sehr großem Respekt und Bewunderung. Mit wenigen Mitteln und einfachsten Möglichkeiten (z. B. winziger Kochstelle) wurden sehr vielseitige und schmackhafte Mahlzeiten gezaubert.
08.08., Freitag:
Wir besuchten den Kindergarten der Gemeinde. Ein gut ausgestatteter Kindergarten nach der freien Erziehung von Maria Montessori. Die Bayrische Landeskirche unterstützt diese Arbeit und auch einen eventuellen Neubau. Ein Spenderprojekt, das es möglichst vielen mittellosen Kindern ermöglicht, einen Kindergarten zu besuchen, erscheint uns als sinnvoll und wir wollen dazu gern unserer Informationen weitergeben.
09.08., Samstag:
Gespräch mit den Gemeindemitarbeitern (Parish Office), an dem die Pfarrer der Gemeinde und ihrer Außenbezirke und Evangelisten (vergleichbar mit Diakonen) teilnahmen: Wir übergaben einen Wandbehang, der von den afrikanischen Stickerinnnen des Cafes Krähe in Magdeburg gefertigt wurde. Wir erfuhren etwas über die Gemeindestrukturen (ca. 2100 Gemeindemitglieder, mit 3 Außengemeinden, 6 Pfarrer, 9 Evangelisten).
Wir hörten von den Sorgen und Nöten dieser Gemeinde, wo Arbeitslosigkeit herrschte, von mangelnder Grundversorgung und wo keinerlei oder zu wenig vorhandene Geldmittel an der Tagesordnung sind. Vor allem aber erschütterte uns das Sterben der Generation der Eltern durch Aids (35% der tansanischen Bevölkerung, in einigen Regionen gar 50% ist mit Aids infiziert), das diese Menschen täglich begleitet. Wir erlebten die aufopferungsvolle, kraftaufreibende sehr nah bei den Menschen verwurzelte Arbeit und das Gottvertrauen, mit dem die Mitarbeiter der Gemeinde und Ehrenamtliche in der Gemeinde ihre Arbeit tun.
Wir erlebten eine Trauung und am Nachmittag einen Hochzeitsempfang, bei dem uns vor allem verwunderte, warum die Braut einen tiefernsten, traurigen Gesichtsausdruck zur Schau trug (man sagte uns, das sei Tradition).
10.08., Sonntag:
Wir gestalteten alle drei Gottesdienste um 7.00, 9.00 und 11.00 Uhr der Gemeinde mit. Gabriele Herbst hielt jeweils eine Predigt, die von einem Gemeindemitglied übersetzt wurde. Wir stellten uns und unser Schulprojekt vor, übergeben einen Altarbehang, der ebenfalls im Cafe Krähe gestickt wurde, und überbrachten die in Magdeburg gespendeten Geldsummen:
- für das Schulprojekt: 3800€ bzw. 4,742 Mio. Tans. SchillingWir wurden in das Büro zur Anti-Aids-Kampagne eingeladen (durch Alatanga Nyagawa). Es wurden im Stadtteil 1000 Waisenkinder erfasst. Man will eine Anlaufstelle zur Information und zur Tätigkeit (Webarbeiten) für die Kinder schaffen.
- für ein Batikprojekt: 400€ bzw. 0,500 Mio. Tans. Schilling
- für das Witwenprojekt (Körbe): 170€ bzw. 0,213 Mio. Tans. Schilling
- für die Arbeit der Chöre: 50€ bzw. 0,0624 Mio. Tans. Schilling
11.08.,Montag:
Es wurden die Außengemeinden in den Dörfern Luponde, Uwemba und Magoda besucht. Es gab Gespräche mit den dortigen Mitarbeitern (einige lernten wir schon kennen), Schülern und Familien aus dem Projekt. Die Gemeinden sind sehr arm und der Standard liegt deutlich unter dem in Njombe. Beispielsweise können die Kosten zum Beenden des Kirchenbaus (ca. 200€) seit Jahren nicht aufgebracht werden.
In Uwemba wurde uns eine Teefabrik vorgestellt.
12.08., Dienstag
Schulbesuche in einer Primary-School, einer Secondary- School und einer Gehörlosenschule standen auf dem Programm. Da das zusammen mit Lunch-, Tea und Dinnereinladung nicht zu schaffen war, teilte sich die Gruppe auf. Die Schulen sind einfach aber zweckmäßig eingerichtet, Lehrer und Schüler sind engagiert und freudig dabei. Wir hörten immer wieder die Botschaft, wie willkommen unsere Hilfe ist. Auffällig war an allen Schulen, dass den Kindern umfangreiche Aufgaben zur Pflege und Sauberkeit von Schul- und Internatsanlagen, Gärten und bei der Gehörlosenschule Tierhaltung übertragen werden. Diese Gehörlosenschule wurde durch finnische Unterstützung gebaut und ist sehr schön gestaltet und konzipiert.
13.08., Mittwoch:
Dieser Tag war dem Besuch des Maasai-Dorfs Mandungulu gewidmet, wo durch unser Projekt zwei Mädchen die Sekundarschule besuchen können. Wir bekamen Einblicke in diese Kultur. Wir feierten gemeinsam einen Gottesdienst in der kleinen Kirche, wurden zu einer Mahlzeit eingeladen und erlebten am Medizinstützpunkt eine Reihenuntersuchung der Kinder.
Obwohl die Männer verhindern wollten, dass Mädchen eine erweiterte Schule besuchen, setzen sich die Frauen nach zähem Disput durch und wir konnten zwei weitere Mädchen in unser Projekt aufnehmen.
Auf der Rücktour begleiteten wir unsere Dolmetscherin Lena auf abenteuerlichen Pisten zurück nach Hause in ihr Dorf in den Bergen.
14.08., Donnerstag:
Das Schulkomitee tagte gemeinsam mit uns Gästen aus Magdeburg. Mitglieder dieses Komitee sind
die beiden Pfarrer aus Njombe M'ngon'go, Denise ….
der Pfarrer aus Uwemba
die Evangelisten Goodlove Melinse und Joshua
die Gemeindemitarbeiterin Nuru Kahwili
die Lehrerin Regina…. und ein pensionierter Lehrer, der jetzt in der Primary School unterrichtet
zwei Kirchenratsmitglieder (ein Mann und eine Frau)
Dieses Schulkomitee verwaltet das Geld unseres Projekts und bestimmt einmal jährlich, welche Kinder (es wird von den Familien beantragt) eine Förderung mit welchem Anteil erhalten sollen. Durch die gute Kenntnis der Familienverhältnisse, besonders durch Evangelisten und Pfarrer, ist es möglich, eine gerechte Förderung der Kinder zu erreichen.
Wir konnten viele Fragen klären, die durch die vielen Kontakte und Gespräche in Njombe entstanden, die wir aber auch aus Magdeburg mitbrachten.
Es ist Magdeburg-Tag. Die Magdeburger Delegation trifft sich mit Schülern und Eltern des Schulprojekts. Die Schüler und ehemaligen Schüler hatten ein Programm vorbereitet. Sie sangen und spielten uns ihr Dankeschön vor mit eigenen Texten, Liedern und Tänzen. Wir bereiteten einen Tisch mit Geschenken für jedes Kind vor. Unter anderem gab es T-Shirts mit der Aufschrift: ‚education ist the key of life', die sehr beliebt sind.
Wir aßen zusammen und stellten die Arbeit in Magdeburg vor. Es war eine sehr schöne, stimmungsvolle Veranstaltung.
Frauenmeeting: Wir traffen uns mit über 100 sehr eindrucksvollen Frauen, viele von ihnen sind Witwen. Sie haben vor kurzem einen 21-tägigen Business- Kurs besucht und sind sehr daran in-teressiert, sich selbständig zu machen und Verbesserungen in den Lebensumständen herbeizuführen. Wir sprachen vor allem über:
o Das Batik-Projekt: Traditionelle Batik-Stoffe werden in Njombe hergestellt und nach Magdeburg gebracht. Hier nähen Frauen im Cafe ‚Krähe' Kleidung, die verkauft wird. Der Erlös wird geteilt zwischen den Frauen in Njombe und den Frauen in Magdeburg (Ausländerinnen, die im Cafe Krähe betreut werden).
o Das Witwen Projekt (Körbe): Die Frauen fertigen Körbe, die in Deutschland verkauft werden. Es gibt Pläne (unterstützt von einem Magdeburger Ehepaar) einen Großauftrag zu organisieren.
o Zukünftig womöglich Schulkleidung in der Gemeinde in Njombe herzustellen, wenn Näh- und Strickmaschinen angeschafft werden können.
15.08., Freitag:
Wir traffen uns zu einem Gespräch mit dem Bischof (Njombe ist Bischofssitz). Wir sprachen über unser Schulprojekt und grundsätzliche Probleme in Tansania, zu Bildung und Korruption. Besonders ging es um Aids und um die Rolle der Kirche in der Aufklärung sowie um die Anti-Aids-Kampagne. Es war ein sehr offenes, interessantes Gespräch.
Abreise nach Iringa am Vormittag.
Familienbesuche
Die Besuche und gemeinsamen Mahlzeiten in den Familien (11) hatten unseren Aufenthalt in Njombe sehr geprägt. Es gab immer eine ausführliche Vorstellungsrunde und man lernte die Lebensumstände und Lebensgeschichten der Familien kennen.
Meistens sind unsere Schulkinder Waisen und leben in Familien von Angehörigen oder wie Rehema (die mit nur einem Bein zur Welt kam) bei der Patentante.
Aber wir besuchten auch Mama Agnes in ihrem neuen Haus. Ihr Sohn Evans war einer der ersten Schüler, in unserem Projekt. Er studierte und ist jetzt selber Lehrer. Er hatte gerade seinen Plan verwirklicht, von dem verdienten Geld zuerst ein Haus für die Mutter zu bauen und dann zu heiraten. Vor kurzem hat er mit 38 Jahren geheiratet und wir fanden einen glücklichen jungen Mann und eine glückliche Mutter. So könnte man noch sehr viele Geschichten erzählen…